Missver­ständ­nisse und Vorur­teile über Meditation

Welche sind das? Und stimmen sie?

1. Meditation heißt, keine Gedanken mehr zu haben, die Gedanken zu stoppen, oder?

Vielleicht kennen Sie folgendes Bild: Eine Frau sitzt da (oft mit kunstvoll verschränkten Beinen) in fließenden Kleidern und mit einem glück­se­ligen Lächeln das darauf hindeutet, dass sie ihr Gehirn entleert und es mit Zucker­watte ersetzt hat.

Die Wahrheit ist: Achtsamkeit und Meditation beinhalten nicht, den Gedan­ken­prozess zu beenden! So verständlich dieser Wunsch auch ist.

Es geht nicht darum, zu versuchen, einen bestimmten Zustand des Geistes zu erreichen. Es geht nicht darum sich etwas vorzu­machen.

Es geht darum, sich einfach die Zeit nehmen und sich damit vertraut zu machen,
wie der Denkprozess tatsächlich funktio­niert. Es geht darum, dass Sie den besten Aussichts­punkt haben, um zu sehen, was in Ihrem eigenen Kopf los ist.

Sobald Sie das gesehen haben, stoppen Sie Ihre Gedanken nicht mehr. Die Gedanken   können Sie nicht mehr so sehr kontrol­lieren oder verein­nahmen.

Ihr Verhältnis zu Ihren Gedanken kann sich entspannen. Sie müssen nicht mehr alles glauben, was Ihr Verstand Ihnen einredet.

2 . Meditation ist doch nur etwas für Menschen, die sowieso schon entspannt sind, oder?

Dahinter steckt oft folgende Ansicht:
„Menschen, die energisch und kraftvoll sind, die hart und tüchtig arbeiten, sollten sich von der Meditation fernhalten und sie den Leuten überlassen, die lieber für den Rest ihres Lebens barfuß über eine Bergwiese gehen möchten.”

Wenn man im Stress ist und etwas leisten steht, wird einen die Meditation doch nur verrückt machen.“

Da finden wir ein weiteres, völliges Missver­ständnis.

Jeder Mensch, ganz gleich was sein Lebensstil ist, braucht Zeit zum Aufladen, um sich neu sortieren und reflek­tieren.

Die Praxis von Achtsamkeit und Meditation ist eine der besten Möglich­keiten, um Ihrem Geist eine echte Ruhe und eine erfri­schende Kraft­quelle zu gönnen, mit der Sie dann neue Heraus­for­de­rungen annehmen können.

3. Ist Meditation nicht eine Flucht vor der Realität?

Die Ansicht lautet: „Meditation ist nichts weiter als ein anderer Weg, um die harten Fakten des Lebens zu vermeiden.“

Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt. Weit davon entfernt, eine Flucht zu sein, bringen Achtsamkeit und Meditation Sie direkt in das Herz der Wirklichkeit.

Mit Hilfe von Meditation sehen Sie, was in Ihrem Kopf los ist. Sie bemerken, wie Ihre Gedanken, Ihre Wahrnehmung von dem, was Sie erleben, Ihnen selbst und Anderen Schmerzen und Leiden verur­sachen.

Achtsam­keits­praxis und Meditation sind keine Flucht und auch kein Urlaub.

Sie sind eine innere Reise, die Ihnen hilft, die Realität besser zu sehen — um leichter zu unter­scheiden, was vom dem, was Ihr Verstand Ihnen vor Augen führt, wirklich real ist.

4. Verliert man durch Meditation nicht seinen Biss, seine Stärke und Durch­set­zungs­kraft?

Dahinter steckt oft die Haltung “Ich habe schließlich Verant­wortung. Ich habe keine Möglichkeit und erst recht keine Zeit, mit hinzu­setzen und Nabel­schau zu betreiben.
Ich will kein „Weichei“ oder ein „Softie“ sein.“

Der Mythos hier ist, dass Achtsamkeits‐​Meditation einen verne­belten, tagträu­menden Zustand des Geistes beinhaltet.

Diese Vorstellung geht dahin, dass es bei der Meditation um eine Art und Weise  geht, zu schlafen, während man wach ist. Nein, darum geht es überhaupt nicht!

Meditation und Achtsamkeit zu prakti­zieren heißt gerade nicht, seine Aufmerk­samkeit abzuziehen von dem was gerade ist.

Statt sich „weg‐​zu‐​beamen“ geht es im Gegenteil darum, die Aufmerk­samkeit auf das zu lenken, was jetzt da ist.
Also es geht nicht um ein  “Heraus‐​Zoomen” sondern um ein “Hinein‐​Zoomen”.

Sie trainieren, Ihre Aufmerk­samkeit auf das Gegen­wärtige zu lenken, statt automa­tisch abwesend zu sein.
Und mit Achtsamkeit tun sie es vielleicht mehr, als Sie es bisher gewohnt waren.

Diese Fähigkeit, die Aufmerk­samkeit im Gegen­wär­tigen zu halten (um einmal die Begriffe Hier und Jetzt zu vermeiden) färbt auf den Rest Ihres Lebens ab.

Meditation und Achtsamkeit können Ihnen wirklich helfen, in die gegen­wärtige Zone Ihres Lebens zu kommen und länger dort zu bleiben.

5. Ist es nicht einfach egoistisch, sich hinzu­setzen und selbst zu erfor­schen?

Dahinter steckt die Auffassung, dass Achtsamkeit und Meditation etwas für die Generation „Ich“ oder „Ich zuerst“ sind.

Es wird behauptet, dass es darum ginge, sich exklusive Zeit, nur für sich selbst zu schaffen, die dann für Andere nicht mehr zur Verfügung steht.

Richtig ist, dass eine Medita­ti­ons­praxis wie die Achtsam­keits­me­di­tation, eine Zeit ist, die ich mit mir alleine verbringe. Man könnte auch sagen, ich statte mir selbst einen Besuch ab. Ich bin mit mir selbst, auch wenn ich in einer Gruppe meditiere.

Das ist aber nicht egoistisch. Mit zuneh­mender Medita­ti­ons­praxis werden Sie geistige und körper­lichen Anspan­nungen loslassen können.

Sie werden zunehmend innere Zufrie­denheit und Ausge­gli­chenheit spüren.

Ihre zuneh­mende Zentriertheit kann Ihnen z.B. helfen, besser zuzuhören.
So können Sie für Ihren Lieben — mit weniger Ablenkung — anwesend zu sein.

Ihre eigene Achtsamkeit kann wie ein Geschenk für andere in Ihrem Leben sein.

Meditation braucht keine besondere Ansammlung von Fähig­keiten.

Sie wirkt so gut, weil sie einfach nur verstärkt, was wir bereits besitzen:
die Fähigkeit zur Konzen­tration, Achtsamkeit und zu Mitgefühl.